Supraphysiologische Testosteronspiegel und gesundheitliche Folgen
Testosteron, das “männliche” Geschlechtshormon, spielt sowohl im Organismus von Männern als auch von Frauen eine ganz zentrale und wichtige Rolle. Am bekanntesten sind die positiven Auswirkungen auf Muskelaufbau, Knochenbildung oder auch Blutbildung, aber auch auf mentaler Ebene hat das Androgen einen massiven Einfluss auf unseren Antrieb, unsere Motivation und damit auch unsere Stimmung. Aufgrund von Bewegungsmangel, Alkohol und einem allgemein ungesunden Lebensstil leiden in der heutigen Zeit immer mehr Menschen - v.a. Männer - an einer Testosterondefizienz und berichten von Lethargie, Antriebs- und Lustlosigkeit, aber eben auch von Muskelschwund und körperlicher Schwäche. Und auch im Alter nimmt die körpereigene Testosteronproduktion beim Mann ab, was ähnliche Symptome hervorrufen kann und für viele ähnlich belastend wie die Wechseljahre für viele Frauen sind. Nicht zuletzt deshalb sind Hormonersatztherapien heute beliebter denn je und es gibt mittlerweile telemedizinische Kliniken, die sich sogar auf derartige Behandlungen spezialisiert haben. Während solche Ansätze früher verpönt waren, so ist es heute Gang und Gebe, bei einem manifesten Mangel an männlichem Sexualhormon dieses exogen zu substituieren. Selbiges könnte bei jungen Menschen zwar auch durch eine Umstellung des Lebensstils erreicht werden, doch diese ist oft langwieriger und bei weitem nicht so schnell wirksam - außerdem kann sie ja auch von einer TRT (testosterone replacement therapy) unterstützt werden. Im Zuge der Dosisfindung, dem Injektions- bzw. Applikationsintervall wird meist nach dem individuellen Befinden des Patienten entschieden, wie hoch der Testosteronspiegel eingestellt wird, wobei höhere Dosierungen hier nicht selten vorkommen. Kein Wunder, schließlich sind die spürbar positiven Effekte des Androgens direkt proportional zur Dosierung bzw. dem Blutspiegel und mehr bringt in diesem Fall auch wirklich mehr - jedoch nicht ohne mögliche Begleiterscheinungen.
Testosteron - Ein primärer Treiber für Muskelaufbau und Kraft
Besonders im Bodybuilding ist es ebenfalls weit verbreitet, Testosteron in supraphysiologischen Dosen zu nutzen, um den Muskelaufbau zu unterstützen. Hier sind Androgendosierungen teilweise so hoch angesetzt, dass die laborchemische Konzentrationsbestimmung nicht mehr möglich ist - und dementsprechend “fruchtet” diese “Kur” auch. Wie angesprochen verbessert sich nicht nur der Muskelaufbau, sondern auch auf mentaler Ebene fühlen sich Anwender oft “unbezwingbar” und berichten von einem gesteigerten Selbstbewusstsein, mehr Aggressivität und Antrieb. So weit, so positiv. Doch egal aus welchem Motiv nun Testosteron aus exogenen Quellen genutzt wird - sei es aus sportlichen Gründen oder möglicherweise auch nur zur Verbesserung der Lebensqualität - überschreitet man dabei den je nach Labor und Region zwar leicht variierenden, aber dennoch nach oben hin klar begrenzten Referenzbereich, so kann dies unter Umständen schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen haben. Natürlich ist der Ausgleich eines Mangels absolut zu befürworten und es ist auch sehr erfreulich, wie positiv viele Männer auf eine TRT ansprechen und wie stark sich ihre Lebensqualität dadurch verbessert. Genau darin liegt aber auch die Gefahr, die Dosis immer weiter zu erhöhen und sich - bis zu einem gewissen Grad - dadurch ja immer noch besser zu fühlen. Denn so kann eine ernstzunehmende psychische Abhängigkeit bestehen, die es nicht leicht macht, den Blutwert wieder auf “normale” Level sinken zu lassen und dennoch damit zufrieden zu sein - vor allem, weil sich durch den erhöhten Testosteronwert ja keine unmittelbar spürbaren Konsequenzen ergeben, sondern man eher mehr vom Leben hat. Im Gegensatz zu Suchtmitteln hat diese “Abhängigkeit” keine Auswirkungen auf das Sozialleben, die Arbeit oder andere Lebensbereiche, weshalb sich viele vielleicht darin bestätigt sehen, auch supraphysiologische Testosteronwerte dauerhaft anzustreben. Allerdings kann sich dies langfristig sehr negativ auf die allgemeine Gesundheit auswirken und nach einigen Jahren Folgeerscheinungen nach sich ziehen, die einem plötzlich vor Augen führen, dass die gewonnene Lebensqualität nicht ohne Konsequenzen geblieben ist. Im Folgenden möchte ich nun auf die wichtigsten dieser gesundheitlichen Schädigungen eingehen.
Kardiovaskuläre Gesundheit
Testosteron ist ein potenter Treiber der Blutbildung, also der Hämatopoese. Was grundsätzlich ja eine wichtige Funktion für unseren Körper ist, führt in supraphysiologischen Dosierungen allerdings zu einem erhöhten Aufkommen von Erythrozyten (roten Blutkörperchen) und einer damit einhergehenden erhöhten Blutviskosität. Der Hämatokritwert, also der Anteil der zellulären Bestandteile an unserem Blut steigt dadurch stark an, auf Werte von 50% und mehr - was mit einem stark erhöhten Risiko für eine Gerinnselbildung einhergeht. Die so entstehenden Thromben können Gefäße verstopfen und Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Lungenembolien verursachen - auch bei jungen, ansonsten gesunden Menschen.
Weiters erhöht sich mit zunehmendem Androgenspiegel auch der Blutdruck und eine klinisch relevante Hypertonie (Bluthochdruck) ist nicht selten die Folge. Diese zwei Auswirkungen sind zum einen direkt auf das Testosteron selbst zurückzuführen, es gibt jedoch auch sekundäre Effekte. So wird die Schlafqualität unter supraphysiologischer Hormonsubstitution stark beeinträchtigt, da nicht nur die Nackenmuskulatur, sondern auch die Region um den Kehlkopf von übermäßigem Wachstum betroffen ist. Nächtens führt das zu Schnarchen und einer beeinträchtigten Sauerstoffversorgung - im Extremfall sogar zu einem Schlafapnoesyndrom, wie es auch bei stark übergewichtigen Menschen vorkommt. Dabei handelt es sich um ein Syndrom, bei dem immer wieder für einige Sekunden die Atmung aussetzt, da der Atemwiderstand durch den verlegten Atemweg zu groß ist. Erst, wenn der Sauerstoffmangel bzw. die CO2-Konzentration nach einigen Sekunden so hoch wird, dass der Atemantrieb größer wird, bringt der Körper wieder die notwendige Energie auf, um diesen erhöhten Widerstand zu überwinden. Klingt (vor allem beim Schlafen) anstrengend und ist es auch: die immer wieder auftretenden Atemaussetzer sorgen so nicht nur dafür, dass der Schlaf alles andere als erholsam wird, sie beeinträchtigen außerdem die Wachheit untertags, erhöhen den nächtlichen Blutdruck und den Hämatokritwert.
Ein weiterer Aspekt der kardiovaskulären Gesundheit, der direkt von hohem Testosteron negativ beeinflusst wird, ist das Lipidprofil. Das gemeinhin als das “gute” Cholesterin bezeichnete HDL-gebundene Cholesterin sinkt nämlich stark ab, während das Arteriosklerose-fördernde LDL ansteigt. Was für einen kurzen Zeitraum kein Problem darstellt, ist aber langfristig einer der Hauptrisikofaktoren für die Bildung eben solcher intravasalen Plaques, die die Blutversorgung des Herzens und anderer Organe beeinträchtigen und darüber hinaus Prädilektionsstellen für Thrombosen binden. Vereinfacht formuliert sorgen diese Plaques für eine Gefäßverengung, die besonders anfällig dafür ist, dass sich Gerinnsel bilden, was bei dem ohnehin schon verdickten Blut so noch wahrscheinlicher wird und ein ernstzunehmendes Risiko darstellt.
Solange eine TRT im Rahmen des gesunden Referenzbereichs angesiedelt ist, sind diese Effekte nicht oder nur kaum zu beobachten. Blutkontrollen einiger Parameter sind zwar durchaus sinnvoll, um gegebenenfalls gegensteuern zu können, doch im Normalfall ist im Rahmen einer TRT nicht mit bedenklichen LDL- oder Hämatokriterhöhungen zu rechnen. Anders hingegen verhält es sich bei supraphysiologischen Dosierungen, von denen wir oben ja schon gesprochen haben. Denn wenn das gesunde Maß an Testosteron überschritten wird, stimuliert es auch die Hämatopoese stärker, als dies vom Körper gedacht ist und die Zahl der roten Blutkörperchen steigt. Außerhalb des Normbereichs ist deshalb kurzfristig von groben Blutbildverschiebungen als Folge des Androgenspiegels auszugehen, die langfristig das kardiovaskuläre Risiko für Folgeerkrankungen - je nach genetischer Voraussetzung - massiv erhöhen kann.
Akne, Gynäkomastie und Haarwuchs
Manche Männer brauchen nicht einmal erhöhte Testosteronspiegel, um von den im Folgenden besprochenen Auswirkungen betroffen zu sein, umso weniger verwunderlich ist es, dass bei übermäßiger exogener Androgenzufuhr sie um ein Vielfaches wahrscheinlicher werden. Zum Einen geht es hier um Hautveränderungen und Akne, die stark von Hormonen beeinflusst wird und nicht zufällig am Beginn der Pubertät, wenn der Körper erstmals größeren Mengen von Sexualhormonen ausgesetzt ist, auftritt. Was vielleicht oberflächlich nur als kleine Randnotiz erscheint, kann bei Betroffenen einen großen Leidensdruck erzeugen, da die Ausschläge oft kaum in den Griff zu bekommen sind, es sei denn, die Testosterondosis wird reduziert oder ganz abgesetzt. Längerfristig kann es sogar zu Vernarbungen und bleibenden und vor allem sichtbaren Hautschäden kommen, die den ganzen Körper, vor allem aber Gesicht und Rumpf betreffen können.
Weiters ändert sich durch Testosteron auch das Haarwuchsmuster: während die Haare am Kopf ausgehen und besonders genetisch schon prädisponierte Menschen schnell eine Glatze bekommen, ist dagegen vermehrt mit einer ausgeprägten Körperbehaarung zu rechnen. Auch genetisch “gesegnete” Menschen müssen damit rechnen, schon in jungen Jahren schütteres Haar zu bekommen, wenn sie Testosteron von außen zuführen, und nicht jeder kann sich eine Echthaartransplantation leisten oder möchte eine Perücke tragen.
Eine weitere äußere Nebenwirkung von stark erhöhten Testosteronspiegeln lässt sich dadurch erklären, dass dieses zu einem gewissen Anteil von einem Enzym namens Aromatase in Östrogen, also das weibliche Geschlechtshormon, umgewandelt wird. Das hat durchaus gute Gründe, schließlich ist Östrogen auch für den Mann enorm wichtig für Knochengesundheit, Stimmung und Libido. Ist nun mehr Ausgangssubstrat vorhanden, hat die Aromatase von Natur aus mehr “Material” für ihre Umwandlung und erhöhte Östrogenspiegel sind nicht selten die Folge. Die Aktivität dieses Enzyms ist wieder stark genetisch determiniert, kann aber beispielsweise auch mit einem erhöhten Körperfettanteil in Verbindung gebracht werden. Letzten Endes führen die weiblichen Geschlechtshormone dann zum Wachstum von Brustdrüsengewebe und eine sogenannte Gynäkomastie (“man tits”) kann die Folge sein. Dieses Gewebe bildet sich auch nicht mehr zurück und muss, wenn es als störend empfunden wird, operativ entfernt werden - ein unangenehmer Eingriff, der wie jede Operation auch Risiken für Infektionen etc. birgt.
Fertilität
Unabhängig vom Ausmaß der Testosteronsubstitution ist auch zu bedenken, dass die körpereigene Produktion dadurch komplett heruntergefahren wird. Durch den negativen Rückkopplungsmechanismus fallen auch übergeordnete Hormone der Hypophyse bzw. des Hypothalamus aus, namentlich GnRH, LH und FSH. Dadurch wird im Hoden nicht nur die Testosteronsynthese zum Erliegen gebracht, auch die Spermienreifung wird ausgesetzt, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem wieder ein Signal dafür gegeben wird. Bei Männern, bei denen ein Kinderwunsch besteht, ist somit eine TRT ausgeschlossen, da sie ab dem Zeitpunkt des Beginns unfruchtbar macht. Glücklicherweise kann sich dieser Effekt nach Beendigung der exogenen Hormongabe auch wieder zurückbilden, jedoch gibt es auch hierfür keine Garantie und auch der Zeithorizont ist mehr als ungewiss. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn nach wenigen Wochen bis Monaten das hormonelle Gleichgewicht sich wieder eingestellt hat, doch je nach Dauer und Intensität der vorherigen Hormonsubstitution kann dies auch mehr Zeit in Anspruch nehmen, oder im Extremfall sogar ganz ausbleiben.
Leber- und Nierengesundheit
Auch andere innere Organe als das Herz sind von supraphysiologischen Spiegeln an Testosteron betroffen. Zum Einen kann dies direkt der Fall sein, wenn Testosteron oder Derivate/Analoga in Form oraler Präparate, die eine 17-alpha-Alkylierung aufweisen, zugeführt wird. Ein Vertreter dieser Präparate wäre beispielsweise Oxandrolon, das als Agonist am Androgenrezeptor wirkt und somit ähnliche Effekte aufweist wie Testosteron selbst. Über den Darm resorbierte Pharmaka müssen allerdings über die Leber metabolisiert werden, bevor sie über den Blutkreislauf in ihr Zielgewebe gelangen können, und hier erweisen sich eben diese Präparate als hochgradig lebertoxisch. Eine Erhöhung der Leberenzyme GOT, GPT und GGT kann aber auch unabhängig davon auftreten, da erhöhte Androgenspiegel von Natur aus den Muskelproteinumsatz erhöhen und somit auch die Entgiftungskapazität der Leber strapazieren. Glücklicherweise handelt es sich bei der Leber um ein sehr resistentes und regenerationsfähiges Organ, dennoch sind die Langzeitfolgen chronischen Androgenge- und -missbrauchs nicht zu unterschätzen - auch eine “Drug induced liver injury”, die mit starker Entzündung (Hepatitis) und systemischen Folgen einhergehen kann, ist möglich.
Die Niere wird ebenfalls durch die vielen Abfallprodukte, die durch den erhöhten Stoffwechsel zustandekommen, gefordert. Besonders Proteine, Harnstoff und Ammoniak müssen ausgeschieden werden, was zu einer chronischen Überbelastung führen kann. Diese mag zwar nicht so wahrscheinlich sein wie andere, zuvor schon angeführte Probleme, jedoch umso fataler, da eine geschädigte Niere nicht repariert werden kann. Mit Abnahme der Zahl der funktionstüchtigen Untereinheiten (Glomerula) sinkt auch die Funktionstüchtigkeit und das verbleibende Nierengewebe muss noch härter arbeiten - ein Teufelskreis, der am Ende bis zum Nierenversagen führen kann. Spätestens dann wird eine Transplantation notwendig, um nicht 3-mal wöchentlich zur Dialyse zu müssen und noch dazu penibel genau auf Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr achten zu müssen - von Lebensqualität kann man hier also keinesfalls mehr sprechen.
Psychische Gesundheit
Ein letzter Bereich der Gesundheit, den ich thematisieren möchte, ist die mentale bzw. psychosomatische Ebene. Es ist unbestritten, dass der Hormonhaushalt signifikante Auswirkungen auf die Stimmung und den Antrieb bei Männern und Frauen hat. Besonders das männliche Geschlecht ist hier von einer gewissen Menge an Testosteron geradezu abhängig - so erklären sich auch depressive Verstimmungen und Antriebs- sowie Lustlosigkeit bei Männern, die unter einem Testosteronmangel leiden. Wird ein solcher ausgeglichen, bemerken viele eine deutliche Verbesserung, mehr Lebensfreude, Energie und Vitalität und fühlen sich oft “wie neugeboren”. Auch über den physiologischen Bereich hinaus sind bis zu einem gewissen Grad solche Effekte möglich, wie es eingangs schon thematisiert wurde. Alleine die gesteigerte Muskelkraft, die verbesserte (sportliche) Performance und auch die Leistungsfähigkeit im Alltag sorgt von sich aus dafür, dass Männer mit (zu) hohen Testosteronspiegeln sich fühlen “wie Superman”. Doch das ist nur eine mögliche Seite, das gesteigerte Selbstbewusstsein und die Aggressivität zu betrachten.
Die Kehrseite der Medaille äußert sich in Symptomen wie Reizbarkeit, übermäßiger Feindseligkeit und Aggression und Stimmungsschwankungen. Inwieweit positive und negative Symptome miteinander koexistieren bzw. welche Seite überwiegt, ist hochgradig individuell und kann nicht vorhergesagt werden. Doch selbst wenn die negativen Seiten auf mentaler Ebene überwiegen, werden diese von den Betroffenen selbst meist nicht in dem Ausmaß wahrgenommen und es ist eher das Umfeld, welches darunter zu leiden hat. Es ist in jedem Fall aber eine gewisse Wesensveränderung zu beobachten, wenn Männer sich dazu entschließen, Testosteron in supraphysiologischen Mengen zu konsumieren. Leider führen gerade die Positivsymptome auf mentaler Ebene, die subjektiv wahrgenommen werden, nicht selten zu einer psychischen Abhängigkeit und die betroffenen Personen tun sich schwer damit, den übermäßigen Konsum zu beenden. Es ist keine wirkliche Abhängigkeit wie bei klassischen Drogen die dabei entsteht, doch der “Reward”, den ein sehr hoher Testosteronspiegel in der Selbstwahrnehmung mit sich bringt, ist an sich schon mit Suchtpotenzial behaftet. Viele Bodybuilder werden deshalb auch immer wieder “rückfällig” und kehren zu alten, höheren Dosierungen zurück, selbst wenn sie ihre aktive Karriere eigentlich schon beendet haben. Viele berichten davon, das Gefühl der Unbesiegbarkeit zu vermissen und beginnen deshalb wieder mit höheren Dosierungen zu hantieren. Doch selbst wenn dies kurzfristig wieder für ein Hochgefühl sorgt, leidet die Psyche langfristig unter der Abhängigkeit - von den körperlichen Begleiterscheinungen ganz zu schweigen.
Fazit
Diese Liste an Nebenwirkungen stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es ist mir auch wichtig zu betonen, dass jeder Mensch sehr unterschiedlich auf exogene Hormongabe reagiert. Außerdem ist das Ausmaß der gesundheitlichen Folgen natürlich stark davon abhängig, in welchem Ausmaß und über was für einen Zeitraum Testosteron genutzt wird. Zusammenfassend kann man festhalten, dass Männer, die wirklich unter einem manifesten Mangel leiden, sei es altersbedingt oder durch andere Vorerkrankungen, sowohl auf physischer als auch auf psychischer Ebene enorm von einer Substitutionstherapie profitieren können. Die vielen wichtigen Aufgaben, die das Geschlechtshormon im Körper übernimmt, aber auch ganz einfach das verbesserte Lebensgefühl sind ganz klare Pluspunkte für eine TRT im klassischen Sinne. Das Problem beginnt dann, wenn die Dosierung über den Referenzbereich hinaus gesteigert wird. Denn während manche Effekte auch über das “natürliche” Maß hinaus erwünscht und positiv sein können (Muskelaufbau, Antrieb, …), so kehren sich viele Eigenschaften des Testosterons in supraphysiologischer Menge ins Negative. Angefangen von der kardiovaskulären Gesundheit, die kurz- und langfristig gemeinsam mit der Reproduktionsfähigkeit wohl am meisten Schaden nimmt, können auch andere Organe betroffen sein und außerdem äußerliche, höchst unangenehme Nebenwirkungen auftreten.
Egal, aus welcher Motivation heraus also eine Testosteronkur begonnen wird, die in den Bereich des Medikamentenmissbrauchs fällt, aus medizinischer Sicht ist eine solche in jedem Fall ein Gesundheitsrisiko und somit kontraindiziert. Im Einzelfall muss natürlich jeder Mensch selbst für sich abwägen, welche Effekte oder Nebeneffekte er über kurz und lang als gewichtiger einschätzt. Auf Basis dieser Überlegungen kann dann eine Entscheidung getroffen werden, die ich an dieser Stelle natürlich jedem selbst überlasse. Dennoch ist es mir wichtig, an dieser Stelle nochmals zu betonen, dass ein Testosteron- und Anabolikamissbrauch im Allgemeinen, sei es aus sportlichen oder Lifestyle-Gründen, ein massives Gesundheitsrisiko auf vielen Ebenen darstellt, das selbst unter engmaschiger medizinischer Betreuung und mit anderen Präventivmaßnahmen kaum zu mindern ist.
Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel ein Bewusstsein für die zahlreichen Nebenwirkungen schaffen und vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß liefern, der in die individuelle Entscheidungsfindung der LeserInnen miteinfließt. Ich freue mich immer über Feedback und stehe auch bei Fragen gerne zur Verfügung. Inzwischen alles Gute und beste Gesundheit! Jakob
Quellen
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