Olpasiran - die Zukunft der Herz-Kreislauf-Medikation?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den westlichen Ländern die Todesursache Nummer eins. Grund dafür ist unser Lebensstil, der durch eine ungesunde Ernährung mit vielen hochverarbeiteten Lebensmitteln, wenig Schlaf und viel Stress, Bewegungsmangel und zusätzlich häufig noch Alkohol- oder Nikotinkonsum gekennzeichnet ist. All diese Faktoren tragen dazu bei, dass der Blutdruck und Cholesterinspiegel ansteigt, Arterien verkalken und das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte enorm ansteigt. Während die Primärprävention, also eine Modifikation der Lebensstilfaktoren natürlich die wünschenswerteste Herangehensweise an dieses Problem wäre, so gibt es auch immer mehr Medikamente, die auch bei bereits auftretenden Symptomen das Voranschreiten von Herz-Kreislauf-Problemen mindern und die Risikofaktoren zumindest so klein wie möglich halten können. Blutdruckmedikamente und Statine, die gezielt das LDL-Cholesterin senken, sind hier bereits seit längerem etabliert, aber auch die neuen SGLT2-Hemmer, die ursprünglich für die Therapie von Diabetes mellitus entwickelt wurden, erzielten in Studien so gute Ergebnisse, dass sie mittlerweile auch zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugelassen sind.

Ein weiterer Risikofaktor, der immer wieder bestimmt wird, ist der sogenannte Lipoprotein a Wert. Auch wenn dieser weder medikamentös, noch durch eine Lebensstilmodifikation bisher beeinflussbar war, so konnte man dennoch recht gut daran ablesen, wie hoch das individuelle genetisch vorbestimmte Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems ist. Auch in Studien war ein erhöhter Lp(a)-Wert durchwegs mit mehr Herzinfarkten und auch einer erhöhten kardiovaskulär bedingten Mortalität assoziiert, was von Forschern dann auch mechanistisch untersucht wurde. Dabei wurde dem Lp(a), ähnlich wie dem LDL-Cholesterin, eine Rolle in der Bildung von arteriosklerotischen Plaques zugeschrieben. Wie gesagt konnte man bisher jedoch nicht Einfluss auf diesen Wert nehmen, weshalb er meist nur einmal bestimmt wurde. Aktuell wird allerdings an einem vielversprechenden Wirkstoff geforscht - derzeit laufen Phase 3 Studien - mit dem sich das ändern könnte. Grund genug, dieses neuartige Medikament etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, schließlich könnte es die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen revolutionieren.

Olpasiran - Wirkstoff und Effekt(e)

Der Wirkstoff, um den es sich hier handelt, trägt den Namen Olpasiran. Olpasiran ist eine “small-interfering-RNA” oder kurz siRNA, also ein sehr kleines Molekül, welches auf genetischer Ebene ansetzt, um den Lp(a)-Spiegel im Blut zu senken. Und das mit großem Erfolg: Bisher publizierte Daten deuten darauf hin, dass durch eine alle 3 Monate injizierte subkutane Injektion der Wert um 90% oder mehr gesenkt werden konnte. Zusätzlich ergab sich - sozusagen als “Sahnehaube auf der Torte” - eine LDL-Senkung und auch ein Rückgang des ApoB-Wertes, der die Anzahl der atherogenen Lipidpartikel im Blut angibt. Langzeitstudien, die einen tatsächlichen Effekt auf das kardiovaskuläre Komplikationsrisiko bzw. die Sterblichkeit durch Herzinfarkt und Co. nachweisen, sind bis dato noch ausständig, allerdings bereits am Laufen. Und wenn man all den Mechanismen, die man bisher in Sachen kardiovaskulärer Gesundheit bisher schon verstanden zu haben glaubt, auch vertraut, dann ist mit sehr guten Studienergebnissen zu rechnen.

Behandlung von Laborwerten vs. Patienten

Das muss natürlich nicht zwingend der Fall sein, denn am Ende entscheiden harte Endpunkte über den Erfolg bzw. die Zulassung eines Medikaments und nicht nur die Laborparameter. Auch in der klinischen Praxis wird ja der Zustand eines Patienten nicht alleine anhand seiner Blutwerte, sondern auch unter Rücksichtnahme auf das subjektive Befinden und die klinisch sichtbare Symptomatik behandelt. Ein einwandfreier Laborbefund bringt dem Patienten nämlich herzlich wenig, wenn dieser noch unter Symptomen leidet und umgekehrt kann man sich manchmal auch eigentlich pathologische Werte nicht erklären, da Patienten sich bester Gesundheit erfreuen und keinerlei Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Trotzdem ist bei der Senkung des Lp(a)-Wertes schon davon auszugehen, dass dadurch das Arterioskleroserisiko beeinflusst wird, wie dies ja auch bei LDL und ApoB nechgewiesen werden konnte.

Verträglichkeit

Auch in Sachen Nebenwirkungsprofil scheint der neue Wirkstoff positive Ergebnisse zu erzielen: In den bisher durchlaufenen Studien waren lediglich kleine Entzündungsreaktionen an der Einstichstelle und vereinzelt generalisierte, aber vorübergehende Nebenwirkungen wie Müdigkeit zu beobachten, was aber bei einem Injektionsintervall von 12 Wochen kaum als Ausschlussgrund infrage kommen würde. Die Forscher gehen daher bisher von einer allgemein guten Verträglichkeit aus, auch wenn natürlich längerfristige Daten und auch eventuelle seltene Nebenwirkungen noch erhoben werden müssen.

Ausblick und Fazit

Derzeit läuft mit der OCEAN(a)-Studie noch bis Ende 2026 eine klinische Phase 3 Studie, die den Grundstein für die Marktzulassung von Olpasiran legen könnte. Nach Einhaltung aller Fristen ist demnach mit einer Zulassung in den nächsten Jahren zu rechnen. Dieses neue Medikament würde ein gänzlich neues Kapitel in der Kardiologie aufschlagen. Erstmals wäre es nämlich möglich, nicht nur das Cholesterin oder den Blutdruck, sondern auch den genetisch determinierten Apolipoprotein(a)-Wert pharmakologisch zu beeinflussen. Somit wäre das Arsenal der Möglichkeiten um ein Werkzeug reicher und auch Hochrisikopatienten könnten von kombinierten Therapien so vielleicht noch besser therapiert werden, als dies bisher der Fall war. Und bei genetisch vorbelasteten Menschen gäbe es eine einfache und wenig aufwendige Möglichkeit, dieses Risiko präventiv schon senken zu können, indem der Lp(a)-Wert durch Olpasiran gedrückt würde.

Egal, was die Zukunft bringt, die nebenwirkungsärmste und mit Sicherheit gesündeste Maßnahme zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird wohl die Lebensstilanpassung bleiben. Nichts schützt besser vor hohen Cholesterinspiegeln und Hypertonie wie eine ausgewogene Ernährung, genügend Schlaf und ausreichend Bewegung. Noch dazu verbessern diese Gewohnheiten auch die metabolische Gesundheit sowie viele Dinge, die an dieser Stelle aber zu weit führen würden - und sie kostet mit Sicherheit weniger, als die vielen Behandlungen und Medikamente, die als Folge eines geschwächten Herz-Kreislauf-Systems notwendig werden können. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern beste Gesundheit und viel Spaß beim Trainieren!

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