SARMs - Nutzen, Funktion, Risiken
Im Bodybuilding kommen viele Substanzen zum Einsatz, die den Muskelaufbau beschleunigen, denn Fettabbau erleichtern und den Look auf der Bühne optimieren sollen. Dabei wohl am populärsten sind die sogenannten Androgenen Anabolen Steroide wie Testosteron und seine Derivate (= Abkömmlinge). Weniger bekannt ist eine Substanzklasse mit der Bezeichnung “selective androgen receptor modulators” oder kurz SARMs. Diese stellen oft eine Ergänzung zu den “großen Geschützen” dar und haben dabei - je nach Präparat, sowohl positive Auswirkungen auf den Muskelauf- als auch den Fettabbau. Von manchen wurden sie in der Vergangenheit sogar als echte Alternative zu Steroiden angepriesen, da sie vermeintlich weniger Nebenwirkungen bei vergleichbaren Effekten haben sollen. Doch sind diese Behauptungen wissenschaftlich haltbar? Was ist von SARMs zu erwarten, was Wirkung und Nebenwirkungen angeht, sind sie sicher, legal und was unterscheidet sie von AAS? Diese Fragen versuche ich im folgenden Blog aufzuklären.
Legalität und Zulassung
Der größte Brocken gleich zu Beginn: anders als viele Konsumenten von SARMs glauben, ist deren Gebrauch weltweit eigentlich illegal. Wer SARMs verkauft, macht sich strafbar und Athleten, die SARMs einnehmen, gelten als gedopt und werden von internationalen Wettkämpfen, die von der WADA überwacht werden, ausgeschlossen. Grundsätzlich gelten ähnliche Richtlinien ja auch für androgene, anabole Steroide, mit einem wichtigen Unterschied: Es gibt Szenarien (etwa bei Testosteronmangel, zahlreichen malignen Erkrankungen mit negativen Auswirkungen auf die Muskelmasse oder bei Geschlechtskonversionstherapien), in denen Ärzte diese bioidenten Hormone verschreiben. Testosteron und seine Derivate können dann ganz legal über die Apotheke bezogen werden, da eine eindeutige medizinische Indikation dafür besteht. Damit dies möglich ist, müssen alle Hormonpräparate zuvor ein ausführliches Prüfverfahren durchlaufen wie jedes andere Medikament auch, in dem mögliche Nebenwirkungen identifiziert werden und die grundsätzlich gegebene Sicherheit zuerst an Tieren und später an Menschen getestet wird. SARMs hingegen wurden NIE für den menschlichen Gebrauch zugelassen und sind keine Medikamente. Sie laufen derzeit unter dem Sammelbegriff der “research chemicals”, die ausdrücklich nur an Tiere verabreicht werden dürfen. Alle Studien, die auf die Wirkungsweise am Menschen Bezug nehmen, sind daher in erster Linie Erfahrungsberichte von - positiv formuliert - experimentierfreudigen Individuen, die SARMs auf eigene Gefahr eingenommen haben und im Anschluss über ihre Ergebnisse berichtet haben. Und genau dieser Aspekt sollte eigentlich schon beunruhigend genug sein, um jeden potenziellen Konsumenten abzuschrecken. Wenn in der Folge mögliche positive Wirkungen beschrieben werden, dann soll dies nur eine Erklärung dafür sein, warum SARMs eine Zeit lang in der Bodybuilding-Szene beliebt waren. Aufgrund der starken und schwerwiegenden Nebenwirkungen und zahlreicher eher sicherer Alternativen beschränkt sich die Zahl der SARM-Nutzer mittlerweile zum Glück von alleine. Der Griff zu PEDs ist nämlich ohnehin schon gesundheitsschädlich und risikobehaftet genug - die Nutzung von nicht zugelassenen Substanzen, die über das Darkweb erworben werden müssen überschreitet dann aber doch die Risikobereitschaft der ansonsten ja durchaus “aufgeschlossenen” Zielgruppe.
Wirkungsweise und Nebenwirkungen
Der Name SARM beschreibt eigentlich schon recht gut, wie diese Substanzen wirken. Androgenrezeptoren - also auch jene Rezeptoren, an die “echtes” Testosteron bindet, werden von diesen Verbindungen stimuliert, ohne dass es dabei wirklich zu einer Erhöhung der Hormonspiegel kommt. Die nachfolgende Signalkaskade mit allen anabolen Effekten auf Muskel etc. bleibt hingegen gleich - ein Muskelwachstumssignal wird gesendet. Jedoch befinden sich nicht nur in unseren Muskeln, sondern auch an zahlreichen anderen Organen in unserem Körper Rezeptoren für Androgene. Aus diesem Grund bleibt die Wirkung von SARMs nicht auf das Muskelwachstum beschränkt - im Gegenteil. Beobachtende Studien haben festgestellt, dass bei vielen Probanden neben einer Zunahme von Muskulatur auch deren Organe signifikant größer wurden, insbesondere Leber, Nieren und Prostata. Zudem wirkten SARMs hochgradig lebertoxisch, verschlechterten die Insulinsensitivität und erhöhten das Risiko eines kardiovaskulären Zwischenfalls.
Verunreinigungen und Auswirkungen auf den Hormonhaushalt
Da SARMs eben illegal sind, werden sie meist über das Internet bezogen. Unabhängige Laborkontrollen für die Reinheit der Präparate sind aus dem selben Grund nicht vorhanden, wodurch viele Produkte mit anderen Substanzen verunreinigt sind, was weitere Nebenwirkungen und Wechselwirkungen wahrscheinlicher macht. Außerdem werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen, meist von Konsumenten wesentlich höhere Dosierungen eingenommen, als jemals am Menschen untersucht wurden, was ein zusätzliches Risiko mit sich bringt.
Dass die exogene Zufuhr bioidenter Hormone die körpereigene Produktion von Testosteron unterdrückt, ist weitestgehend bekannt. Allerdings trifft das auch auf die Substanzklasse der SARMs zu, da nicht die reine Hormonkonzentration dafür ausschlaggebend ist, sondern in erster Linie die Rezeptorstimulation, die dann über einen negativen Feedbackloop sowohl die Bildung von GnRH (dem hypothalamischen releasing-Hormon) als auch LH und FSH in der Hypophyse sowie schließlich dem Sexualhormon selbst im Hoden supprimiert. Von außen wird dies als Schrumpfhoden sichtbar, der auch in Infertilität resultieren kann.
Fazit
Auch wenn SARMs eine Zeit lang als wirkliche Alternative zu anabolen Steroiden gehandelt wurden, die ähnliche Effekte mit weniger starken Nebenwirkungen versprachen, so zeigt ein Blick auf die (beschränkte) Datenlage, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Bodybuilding und der Gebrauch leistungssteigernder Substanzen ist ohnehin ein ungesundes und meist eher halblegales Unterfangen, und dennoch gibt es Möglichkeiten und Wege, die man mit einer Leidenschaft für den Sport beschreiten kann, die zumindest für die Umstände relativ sicher sind und sich auch im Rahmen des Gesetzes bewegen. Dazu gehört ein intensives Gesundheitsmonitoring ebenso wie die verantwortungsvolle Handhabung der PEDs. Eine Substanzklasse, die aber für den menschlichen Gebrauch nie zugelassen wurde, illegal in der Anschaffung und zudem noch enorm risikobehaftet ist, lässt sich mit einem solchen Ansatz jedoch nicht in Einklang bringen, weshalb SARMs heute zum Glück immer weniger Anwendung finden.
Ich hoffe, ich konnte mit einigen Mythen in diesem Blog aufräumen und dir verdeutlichen, wie gefährlich die Einnahme solcher Präparate sein kann. Wenn dich diese Themen interessieren, schau gerne auch in andere meiner Beiträge hinein und folge mir auf Instagram, um keine neuen Blogs mehr zu verpassen! Vielen Dank für dein Interesse und alles Gute! Jakob
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