Wie sicher sind Peptide?

Kaum ein Thema hat die Fitness- und Gesundheitsszene in den letzten Monaten so sehr beschäftigt wie Peptide. Von den Befürwortern werden sie als Wundermittel und Zukunft der medizinischen Behandlung diverser Krankheiten, aber auch als leistungssteigernde Substanzen mit keinen Nebenwirkungen verherrlicht. Gegner hingegen kritisieren mangelnde Nachweise der Wirkung und warnen vor potenziellen Nebenwirkungen, die noch nicht (ausreichend) untersucht wurden. Wer hat nun recht? Sollten Peptide schon längst von Ärzten verschrieben werden oder handelt es sich doch um gefährliche “research chemicals”? Wenn du die Antworten auf diese Fragen wissen möchtest, dann bleib jetzt unbedingt am Ball.

Vorneweg: Die in diesem Artikel präsentierten Inhalte sollen nicht als medizinischer Rat verstanden werden und dienen der reinen Information und Aufklärung. Für jegliche gesundheitsbezogene Fragestellungen sollte in jedem Fall eine medizinische Fachkraft des Vertrauens konsultiert werden.

Frage #1: Warum die ganze Diskussion?

Würde es sich um gewöhnliche Medikamente in einem normalen Zulassungsverfahren handeln, wäre die Diskussion rund um Peptide vermutlich viel kleiner und würde sich auf medizinische Fachkreise beschränken. Bei den kurzen Aminosäureketten, die in unserem Körper für verschiedenste Zwecke als Signalmoleküle dienen können, ist dies allerdings nicht (immer) der Fall. Während die berühmtesten Vertreter, nämlich Semaglutid und Co. (GLP-1-Agonisten), ein ordentliches Zulassungsverfahren inklusive aller benötigten wissenschaftlichen Studienphasen durchlaufen haben, geriet dies vor vielen Jahren bei anderen Vertretern dieser Stoffklasse ins Stocken. Zwar gab es viele vielversprechende Substanzen, doch kein Pharmakonzern wollte die finanziellen Risiken auf sich nehmen um wirklich ein teures Patent anzumelden, welches danach ohnehin nur für einen gewissen Zeitraum gelten würde, bevor auch andere Unternehmen mit der gleichen Substanz Gewinn erwirtschaften könnten. Diese Problematik trifft auch auf jedes andere Medikament zu, nur dass Studien da oftmals leichter durchzuführen sind und auch kürzer dauern, was es erschwinglicher und rentabler für Pharmaunternehmen macht, den Zulassungsprozess zu finanzieren.

Wenn also behauptet wird, dass es keinerlei Daten dazu gäbe, dass Peptide positiv wirken können, dann ist das nicht ganz richtig. Allerdings sind diese positiven Ergebnisse auf noch wenige Studien begrenzt und deshalb nur bedingt aussagekräftig. Um wirklich uneingeschränkt empfohlen oder als Medikamente zugelassen werden zu können, müssten Untersuchungen an größeren Patientenkollektiven durchgeführt werden, die höchsten wissenschaftlichen Standards entsprechen, und diese Studien liegen bis dato eben noch nicht vor. Es könnte also durchaus sein, dass manche Peptide vielleicht das Potenzial haben, dem Hype gerecht zu werden, nur ist es derzeit noch verfrüht, dies wirklich stichhaltig zu belegen - die Datenlage ist nämlich einfach noch recht dünn.

Frage #2: Warum “research chemicals”?

Da Studien wie oben schon erwähnt entweder auf die lange Bank geschoben oder gar nicht finanziert werden, haben in den letzten Jahren einige Menschen, vor allem aus der Fitness- oder Biohacking-Szene, damit begonnen, auf eigene Faust damit zu experimentieren. Die guten Ergebnisse aus den wenigen Studien, die es gibt, schienen sich dabei auch bei vielen zu bewahrheiten, weshalb Coaches damit begannen, diese Substanzen auch ihren Athleten oder Klienten zu empfehlen. Peptide fanden also über die Hintertür den Weg zu den Anwendern, die bereitwillig sich auf die Expertise und Erfahrung ihrer Vertrauenspersonen verließen. Das Potenzial dieses Marktes erkannten auch einige Labore, die daraufhin damit begannen, diese Peptide herzustellen und zum Verkauf anzubieten, jedoch nicht als gewöhnliche Medikamente, denn dazu fehlt ja nach wie vor die Zulassung. Weil es sich aber eben doch um Arzneisubstanzen handelt, die nicht einfach wie Lebensmittel im Supermarkt verkauft werden dürfen, nutzen diese Unternehmen eine rechtliche Grauzone aus und preisen Peptide nun als “research chemicals”, also Forschungschemikalien, die ausdrücklich nicht für die Anwendung am Menschen gedacht sind, an. Dass wahrscheinlich jeder einzelne Kunde beim Erwerb jedoch genau das im Sinn hat, spielt hierbei keine Rolle und schützt die Hersteller auch vor Klagen bei etwaigen Nebenwirkungen, da es sich bei Injektionen dann ja um “unsachgemäße Verwendung” handeln würde.

Wenn Peptide wirklich positiv wirken und dabei auch noch kaum Begleiterscheinungen aufweisen, wie es allem Anschein nach der Fall ist, wäre diese Hintertür zwar ein bisschen unorthodox, aber ja grundsätzlich nicht schlimm. Allerdings ergeben sich durch diesen alternativen Weg mehrere Probleme.

  1. Wirkungs- und Nebenwirkungsbias: Auch wenn die meisten Erfahrungsberichte durchwegs positiv zu sein scheinen, kann trotzdem niemand garantieren, ob gewisse Peptide wirklich wirken und sicher sind. Es besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwar kein Anhaltspunkt dafür, dass dem nicht so sein sollte, doch das könnte auch damit zusammenhängen, dass negative Erfahrungsberichte es entweder nicht ins Internet schaffen, weil sie nicht verfasst werden oder von den ganzen positiven Rückmeldungen übertönt werden. Anders als in einer wissenschaftlichen Studie zählt nämlich in den sozialen Medien nicht jede Erfahrung gleich viel: Sprechen drei bekannte Influencer zu ihren Millionen an Followern positiv über die Wirkung von Peptid XY auf ihre Haut, so gehen die drei Posts von Alltagsmenschen, die über Hautprobleme klagen schnell unter - obwohl es auf wissenschaftlicher Ebene gleich viel Negatives wie Positives zu berichten gäbe. Weil diese überwachte, forschungsintensive Phase jedoch übersprungen wurde, kann man objektiv ganz einfach nicht beurteilen, ob und wie viele dieser Peptide wirken oder ob sie überhaupt sicher sind.

  2. Unregulierter Markt: Ein weiteres, großes Problem betrifft nicht die Peptide selbst sondern die rechtlichen Bestimmungen zu Herstellung und Vertrieb der Substanzen. Bei zugelassenen Medikamenten wird jeder Herstellungsbetrieb regelmäßig kontrolliert und auf hygienische und qualitätstechnische Aspekte unter die Lupe genommen. Außerdem werden die fertig produzierten Chargen stichprobenartig kontrolliert, damit gewährleistet werden kann, dass es nur reine, richtig dosierte und einwandfrei produzierte Präparate und Tabletten in die Apotheken schaffen. Diese hohen Standards müssen von Peptid-Produzenten jedoch nicht eingehalten werden, weil deren Herstellung nicht regelmentiert ist, weil es sich eben nicht um zulässige Medikamente handelt. Der Produktionsprozess ist somit unüberwacht, nicht standartisiert und auch das Endprodukt kann schwerwiegende Mängel aufweisen und es dennoch auf den Markt schaffen. Und auch wenn einige Unternehmen “unabhängige Laboranalysen” garantieren, so muss man sich als Endverbraucher am Ende doch darauf verlassen, was ein gewinnorientiertes Unternehmen einem verspricht.

Frage #3: Was bekomme ich eigentlich?

Aus diesen rechtlichen Graubereichen entstehen also Präparate, bei denen man sich nicht sicher sein kann, ob die enthaltene Substanz tatsächlich so wirkt, wie es versprochen wird. Es mag zwar sein, dass es dafür und auch für schwere Nebenwirkungen keine Anhaltspunkte gibt, doch wenn man bedenkt, dass man eigentlich nicht einmal sicher sein kann, ob die gefragte Substanz überhaupt enthalten ist und sich das nur durch eine eigene Analyse überprüfen ließe (die zwar möglich, aber kostspielig ist), so lässt das einen gesundheitsbewussten Menschen doch ein bisschen schlucken.

Die ursprüngliche Intention, wirksame Substanzen der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und damit die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Menschen zu verbessern, ist ja eine sehr positive und gute. Doch da der ganze Prozess von Rohstoffbeschaffung über Produktion bis hin zum Verkauf keinen Regularien unterliegt und sich die Hersteller hinter dem Begriff der “research chemicals” verstecken können, besteht für den Endverbraucher dennoch ein erhebliches Restrisiko. Im besten Fall wird das verkaufte Peptid injiziert und der erwünschte Effekt bleibt aus. Im schlimmsten Fall jedoch erhält man ein verunreinigtes und mit anderen Substanzen kontaminiertes Präparat, was vielleicht ähnlich, vielleicht aber auch ganz anders wirkt und andere Nebenwirkungen hat. Und selbst wenn wahrscheinlich die meisten Labore nur wohlmeinende Motive haben, gibt es sicher auch schwarze Schafe, die im Sinne der Gewinnmaximierung ihre Hygienestandards nicht so ernst nehmen - und dafür aber eben auch nicht belangt werden können, weil es keine einheitlichen Richtlinien gibt.

Fazit: Peptide ja oder nein?

Ich persönlich bin absolut kein Gegner von Peptiden oder neuartigen Medikamenten und glaube, dass diese Stoffklasse ein großes Potenzial für die Medizin der Zukunft birgt. Dennoch würde ich zum aktuellen Zeitpunkt wahrscheinlich noch die Finger von ihnen lassen. Das hängt aber weniger damit zusammen, dass ich nicht an ihre Wirksamkeit oder Sicherheit glaube, sondern eher daran, dass mir dafür ein geregeltes Zulassungsverfahren persönlich wichtig ist. Ein solches könnte nämlich nicht nur jegliche Zweifel an der Wirksamkeit entkräften, es würde auch den rechtlichen Rahmen dafür schaffen, dass Peptide nur unter bestimmten hygienischen Standards produziert werden dürfen, ihre Qualität kontrolliert und gesichert ist und man sich beim Kauf auch wirklich darauf verlassen kann, dass man bekommt, wofür man bezahlt.

Bis sich allerdings ein großes Pharmaunternehmen diesen Zulassungsprozess leistet, dürfte noch einige Zeit vergehen, in der Peptide nur als “research chemicals” erhältlich sind - und damit möchte ich persönlich nur forschen, aber nicht an meinem eigenen Körper experimentieren.

Wie stehst du zu dem Thema und welche Erfahrungswerte hast du im Zusammenhang mit Peptiden vielleicht schon gesammelt? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen! Alles Gute inzwischen und bis bald!

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Sind PEDs das Risiko wert?