Die Enhanced Games und die dunkle Realität über PEDs
In den Tagen nach dem 23. Mai 2026 finden in Las Vegas zum ersten Mal die sogenannten “Enhanced Games” statt. Diese Sportveranstaltung, in der Wettbewerbe der Disziplinen Schwimmen, Leichtathletik und Gewichtheben ausgetragen werden ist die erste ihrer Art, denn anders als bei jedem anderen sportlichen Wettkampf war der Gebrauch leistungssteigernder Dopingmittel während der Vorbereitung sowie am Wettkampftag erlaubt. Mehr noch - der Einsatz von anabolen Steroiden und anderen sogenannten “Performance-enhancing-drugs” war sogar ausdrücklich erwünscht, um “die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit zu verschieben”. Hinter den Enhanced Games steht eine Maschinerie an Investoren und Firmen, die Peptide, Hormone und andere Substanzen vertreiben und vergleichsweise obszöne Preisgelder ausgeschrieben haben, sollte während eines der Wettkämpfe ein Weltrekord gebrochen werden. Und trotz der Tatsache, dass die teilnehmenden Sportler nie wieder an WADA-getesteten Wettkämpfen teilnehmen dürfen werden, haben sich viele hochkarätige Sportler, darunter auch Olympiamedaillengewinner, gefunden, die dazu bereit waren, sich mit gezielter pharmakologischer Unterstützung auf diese Wettkämpfe vorzubereiten. Die Sponsoren und Veranstalter verteidigen das von vielen Seiten scharf kritisierte Konzept mit dem Argument, dass auch Alkohol und Rauchen ungesund wären und die Sportler selbst darüber entscheiden sollten, welche Risiken sie eingehen möchten, um das meiste aus sich heraus zu holen. Und auch wenn es kurzfristig vielleicht für Empörung sorgt, so hat dieses Argument durchaus Gewicht.
Was ist gesund?
Der offene Gebrauch leistungssteigernder Substanzen sorgt vor allem deshalb für Aufsehen, weil sich Menschen Sorgen um die Gesundheit der Sportler machen und weil sie den eigentlichen Sinn des sportlichen Wettbewerbs ad absurdum geführt sehen. Doch man könnte die enhanced games auch als Chance sehen, um genau diese Themen aufzugreifen und die Menschen und vor allem Jugendliche darüber aufzuklären, was Doping für die Gesundheit bedeutet. Darüber hinaus ist Doping im Spitzensport gängige Praxis, nur werden viele Betrugsfälle nicht aufgedeckt, weil sie zu gut verschleiert werden - oder einfach Glück bei dem Zeitpunkt der Kontrolle ein Faktor war bzw. ist. Natürlich sorgt eine Veranstaltung, bei der so offen mit dem Gebrauch von Steroiden etc. zur Leistungssteigerung umgegangen wird, zunächst einmal für einen Aufschrei, da die Sorge vorherrscht, dass die nächste Generation sich diese “enhanced” Sportler zum Vorbild nimmt. Doch die Lösung sollte nicht sein, die Spiele zu boykottieren und nicht darüber zu berichten, sondern im Gegenteil die Berichterstattung mit aufklärenden Experteninterviews und Dokumentationen zu begleiten, in denen die Gefahr, die von eben diesen Substanzen ausgeht, thematisiert wird. Denn die Versuchung, leistungssteigernde Mittel zu benutzen, besteht im Profisport und sogar im Amateurbereich immer - egal wie sehr wir uns wünschen, dass die junge Generation möglichst nicht davon betroffen sein wird. Doch mit anderen legalen und illegalen Drogen ist es ähnlich - und dennoch werden diese nicht totgeschwiegen. Natürlich sollte man die Gewinner der Spiele nicht verherrlichen, doch ihnen ihre Leidensbereitschaft und ihr hartes Training, ohne das auch Dopingmittel nicht viel bewirken, abzusprechen, ist ebenso nicht gerecht. Vielleicht bietet die Austragung der Enhanced Games viel mehr die Möglichkeit, eine zweite Kategorie an Sportwettkämpfen einzuführen, in denen Doping erlaubt ist. Natürlich besteht die Gefahr, dass sich viele dann eher zu leistungssteigernden Substanzen hingezogen fühlen, andererseits besteht auch nicht mehr die “Notwendigkeit”, in WADA-kontrollierten Bewerben zu betrügen, da es dann ja eine separate Kategorie für “unterstützte” Sportler gäbe. Im Bodybuilding ist dies schon lange gängige Praxis und dennoch entscheiden sich viele Sportler im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen bewusst dagegen, leistungssteigernde Substanzen zu gebrauchen.
“Knowledge is power”
Wir Menschen sind natürlich von extremen Leistungen fasziniert, doch das bedeutet nicht, dass wir automatisch alle zu Leistungssportlern werden möchten. Wenn diese Enhanced Games zum Anlass genommen werden, verstärkt über die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von anabolen Steroiden etc. aufzuklären, so könnten diese anstatt des endstigmatisierenden auch einen gegenteiligen Effekt haben - ähnlich wie zB Aufklärungskampagnen über Alkoholismus oder den Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs. Wenn den Menschen klar wird, dass sie, wenn sie diese Substanzen benutzen, ihren 40. Geburtstag vielleicht nicht mehr miterleben werden und “dafür” nicht einmal bei den Olympischen Spielen teilnehmen dürfen und nur in einer “Freak-Show” auftreten, bei der allen bewusst ist, dass diese Leistung “eigentlich” nicht möglich wäre, dann werden die Enhanced Games ebenso schnell wieder ihre Attraktivität verlieren, wie sie sie gewonnen haben. Es ist nicht abzustreiten, dass manche Sportler vielleicht dennoch diesen Weg wählen werden, doch das ist heute nicht anders und wenigstens gäbe es dann genügend Informationen dazu, welche Folgen der Gebrauch von PEDs konkret hat, was in der “heimlichen” Dopingszene, wie sie heute existiert, eher untergeht, da alle Beteiligten zu sehr mit der Verschleierung des Substanzmissbrauchs beschäftigt sind.
Faktencheck: Menschenbild und tatsächlich angebotene Medikamente
Von vielen Seiten wurden die Enhanced Games auch dafür kritisiert, ein “faschistisches” Menschenbild, bei der die Optimierung jedes Mankos und das Ausmerzen von vermeintlichen Schwächen jedes einzelnen im Mittelpunkt steht. Besonders in Kombination mit den vom Hauptsponsor angebotenen Medikamenten für jedermann und jederfrau gaben Kritiker der Veranstaltung zu bedenken, dass sich dadurch Menschen und Sportler unter Druck gesetzt fühlen könnten, ebenfalls zu dopen bzw. sich zu “optimieren”, um in der Gesellschaft bestehen zu können. Doch in einem Zeitalter von sozialen Medien, Schönheitsoperationen und Selbstoptimierung fügt sich diese Veranstaltung nur nahtlos ein und stellt keineswegs einen “neuen Trend” dar. Alle “faschistischen” Tendenzen (wenn man wirklich dieses sehr drastische Wort dafür benutzen möchte) könnte man dann auch dem Kapitalismus oder dem Leistungssport im Allgemeinen unterstellen. Denn bereits gängige Praktiken abseits des Dopings, 80 Stunden-Arbeitswochen als Statussymbol oder täglich mehrere Trainingseinheiten, die öffentlichkeitswirksam “geteilt” werden, sind für die allermeisten Menschen nicht weniger Anlass dafür, sich zu vergleichen oder vielleicht unzulänglich zu fühlen.
Außerdem muss der Vorwurf auch dahingehend etwas relativiert werden, wenn man sich konkret die Präparate ansieht, die tatsächlich zum Erwerb für die breite Masse angeboten werden. Ja, es handelt sich um Testosteron und andere leistungssteigernde Substanzen, doch dabei steht nicht die “Optimierung” jedes einzelnen im Vordergrund, sondern das Wohlbefinden. Eine Testosteronersatztherapie ist nicht automatisch Doping oder der Versuch, “über sich hinaus zu wachsen”. Im medizinischen Kontext kann eine solche Substitution von bioidenten Hormonen sowohl für Männer als auch für Frauen einfach nur ein Segen sein, und zwar auf körperlicher, vor allem aber auf mentaler Ebene. Denn der altersbedingte Abfall oder ein genetisch bedingter Mangel an Sexualhormonen hat einen immensen Einfluss auf das Wohlbefinden vieler Menschen. Antrieb, Libido und das grundsätzliche Energiegefühl können stark beeinträchtigt sein, was wohl jede Frau in der Menopause bestätigen würde. Ist ein hormoneller Eingriff unbedenklich? Nein, keineswegs und er sollte auch immer durch ärztliche Begleitung überwacht werden. Aber muss die grundsätzliche Möglichkeit, sich solche Substanzen für das eigene Wohlbefinden beschaffen zu können, grundsätzlich moralisch verurteilt werden? Ich denke, auch das trifft nicht zu. Denn bei den verkauften und auch bei den Athleten angewendeten Produkten handelt es sich nicht um experimentelle Versuchschemikalien, sondern um von der Food and Drug Administration zugelassene Medikamente, die einen sehr langen und wissenschaftlich begleiteten Weg gehen mussten, um diesen Status zu erlangen.
Zusammenfassung
Man kann die Enhanced Games gut finden oder nicht, doch man muss ihnen zugute halten, dass kein Sportler hier für den Erfolg andere betrügen musste. Alle hatten und haben gleichen Zugang zu leistungssteigernden Substanzen und somit herrschen gleiche Voraussetzungen für alle, was bei WADA-kontrollierten Wettkämpfen (auch wenn es so sein sollte) oft nicht der Fall ist. Natürlich bedeutet jeder Gebrauch leistungssteigernder Substanzen immer auch ein gewisses Gesundheitsrisiko, dennoch sind alle Sportler erwachsen und selbst in der Lage, ihre persönlichen Entscheidungen zu treffen. Ob die Enhanced Games einen Vorbildcharakter haben werden, kommt ganz auf die Berichterstattung an: Überlässt man die Bühne dem Veranstalter und versucht, möglichst nicht darüber zu berichten, wird das eher nicht funktionieren und alle von dem Konzept faszinierten Sportler werden sich stattdessen an unkritische Berichte des Veranstalters wenden, um sich zu informieren. Begleitet man die "Enhanced Games” aber mit Dokumentationen zu Doping und seinen gesundheitlichen Folgen, so wird wenigstens auch die Schattenseite thematisiert. Und was das Menschenbild und den “Optimierungswahn” angeht, so halten diese Spiele eher der Gesellschaft einen Spiegel vor, als dass sie eine neue Strömung repräsentieren. Denn das alle Maßnahmen, so produktiv oder so leistungsfähig wie möglich zu sein, nicht mit der menschlichen Gesundheit in Einklang zu bringen sind, dass sollte nicht erst durch die Folgen von PED-Missbrauch klar geworden sein.
Wie stehst du zu den Spielen? Wirst/Hast du sie verfolgt? Und welche Erkenntnisse hast du daraus gewonnen? Lass es mich gerne wissen und folge mir unbedingt auf Instagram für weitere Blogs und Artikel zu diesem und ähnlichen Themen! Alles Gute inzwischen, Jakob