Was bedeutet Erfolg für dich?
Ein Ziel zu haben, sich ein Ziel zu setzen und dieses zu verfolgen kann ein sehr erfüllender, aber auch ein sehr zehrender Prozess sein. Entscheidend ist, dabei die richtige Haltung einzunehmen und ein Ziel mit der richtigen Einstellung und in einem größeren Kontext eingebettet anzustreben. Es mag durchaus möglich sein, auch aus den “falschen” Motiven heraus Dinge zu erreichen, doch dabei werden wir viele Dinge bekommen, jedoch nicht das, was wir eigentlich möchten. Wir werden erfolgreich sein, aber innerlich dennoch unzufrieden. Ich möchte nicht behaupten, dass ich die Antworten auf alle Fragen habe, das Gegenteil ist der Fall: je mehr ich reflektiere und darüber nachdenke, was Erfolg eigentlich bedeutet und was er für mich bedeutet, desto mehr Fragen tun sich mir auf. Und dennoch möchte ich in diesem Blog Post meine Sichtweise zu diesen Themen teilen und würde mich freuen, dich so vielleicht ein bisschen zum Nachdenken anzuregen oder eine Reflexion anzustoßen, die dich auf deinem ganz persönlichen Weg zum “Erfolg” einen Schritt weiter bringt.
Wer definiert Erfolg?
Jeder Mensch strebt im Leben in der ein oder anderen Art und Weise nach Glück. Wir alle wünschen uns, uns gut zu fühlen und möchten uns in unserem Leben angekommen und wohl fühlen. Dabei gibt es viele Variationen von persönlichem Glück, das jeder selbst für sich definieren kann, darf und muss. Für viele Menschen ist es Geld, Ansehen oder ein gewisser Status. Wenn wir an das Wort “Erfolg” denken, so kommt uns durch unsere gesellschaftliche Prägung wahrscheinlich ein reicher Unternehmer/eine reiche Unternehmerin in den Sinn, ein/e Sportler/in auf internationalem Level oder auch jemand, der in der Hierarchie an unserem Arbeitsplatz über uns steht. Wir tendieren dazu, selbst wenn wir selbst unser Glück anders definieren würden, zu diesen Menschen aufzuschauen und ihre Disziplin zu bewundern, die sie an den Punkt gebracht hat, an dem sie nun stehen. Auch zu anderen Gelegenheiten bewundern wir Tugenden wie Fleiß, Disziplin und Durchhaltevermögen und sehr viele Menschen “wünschen” sich, doch auch so diszipliniert sein zu können.
Doch wissen wir wirklich, wie sich in unseren Augen “erfolgreiche” Menschen fühlen? Kennen wir ihre Motive und Beweggründe, die sie “erfolgreich” gemacht haben? Und was versprechen wir uns selbst eigentlich davon, diese Qualitäten zu besitzen? Ist es tatsächlich ein bestimmter Betrag auf unserem Konto? Eine Zahl auf der Waage? Oder wünschen wir uns doch viel mehr das GEFÜHL dahinter? Das Gefühl, gesehen zu werden, Bedeutung zu haben und relevant zu sein? Das Gefühl, Anerkennung zu bekommen und uns deshalb selbst ein Stück mehr leiden zu können? Denn wenn wir dieses Gefühl durch Dinge im außen erreichen möchten, werden wir spätestens dann, wenn die Aufmerksamkeit, die wir zuerst vielleicht wirklich bekommen, abebbt, realisieren, dass wir eine bewegliche und undefinierte Ziellinie verfolgen. Wir jagen einem Zustand nach, den wir nie erreichen können, ein Gefühl, das nie kommen wird. Zwar glauben wir, dass materielle Dinge oder objektive Parameter mit diesem Zustand gleichzusetzen sind, doch das sind sie nicht.
In den sozialen Medien können wir täglich, ja minütlich Zeuge davon werden, dass andere Menschen ihr “Glück” teilen, ihre Erfolge feiern oder ihre perfekt geformten Körper zur Schau stellen. Auch ich tappe immer wieder in die Falle, zu glauben, dass diese Menschen glücklicher sind als ich und mir etwas voraushaben, das ich erst erreichen muss, vor ich glücklich und zufrieden sein kann. “Wenn ich nur so aussehen könnte/so viel Geld hätte/so einen Lebensstil führen könnte” oder aber auch “wenn ich nur so diszipliniert/talentiert/selbstbewusst wäre” können da durchaus Gedanken sein, die einem schnell in den Sinn kommen. Doch wenn wir Menschen eine Sache gemeinsam haben, dann ist es, dass wir alle auf der Suche sind. Wir haben alle unsere Fehler, unsere Zweifel und Seiten, die wir an uns selbst nicht mögen. Wir alle tun Dinge, auf die wir nicht stolz sind und verletzen Menschen - ob wir wollen oder nicht, denn das ist Teil des menschlichen Zusammenlebens. Warum glauben wir also, dass diese Dinge die Menschen, die wir für “erfolgreich” halten, nicht auch Zweifel haben? Dass sie nicht auch Dinge an sich nicht mögen oder sich Dinge wünschen, die sie noch nicht erreicht haben? Weil wir nur die Oberfläche sehen und uns vorstellen, wie glücklich wir damit wären - doch dieser Schluss ist falsch, auch wenn “erfolgreiche” Menschen oft versuchen, den Schein zu wahren. Doch kein Mensch fühlt sich stets gesehen, relevant und bedeutsam, egal wie (einfluss-)reich oder (erfolg-)reich er oder sie sein mag - weil dieses Gefühl nicht durch einen Endpunkt, ein Ziel erreicht wird, sondern ein laufender Prozess ist, der nie wirklich abgeschlossen ist.
Was bedeutet “harte Arbeit” und “Disziplin”?
Um unsere Ziele zu erreichen, braucht es Disziplin und Willenskraft. Jedes erstrebenswerte Ziel erfordert ein gewisses Maß an Anstrengung, sei es der “Traumkörper”, ein erfolgreiches Unternehmen oder auch eine glückliche Beziehung. Doch in den sozialen Medien und auch sonst in der Gesellschaft wird diese Disziplin oft als Strafe angesehen, als notwendiges Übel, um an einem gewissen Punkt anzukommen, einen bestimmten Meilenstein zu erreichen. Auch “erfolgreiche” Menschen oder Anhänger der “Hustle Culture” werden nicht müde zu betonen, wie wichtig “harte Arbeit”, lange Arbeitstage und möglicherweise auch Überstunden sind, um “erfolgreich” zu sein und seine Ziele zu realisieren. Dabei wird diese Qualität der “Disziplin” und der “Überwindung des inneren Schweinehundes” auf ein Podest gehoben und idealisiert, weshalb wir auch schnell glauben, “versagt” zu haben, wenn wir nicht so viel “Disziplin” haben wie unsere Vorbilder.
Ich möchte den Wert der “Anstrengung” nicht kleinreden, denn es ist definitiv ein gewisses Maß an Überwindung notwendig, um immer die Dinge zu tun, die einen “weiterbringen”. Es ist ebenso nicht schlecht, sich objektive Ziele zu setzen oder gewisse Meilensteine als Anhaltspunkte zu nehmen, die wir anstreben, um uns zu motivieren. Doch all diese Dinge - Erfolg, Disziplin, harte Arbeit - sind nicht absolut und haben keinen Selbstzweck. Unsere Zufriedenheit und unser Glück an ein zukünftiges Ereignis, ein weit entferntes Ziel oder eine Qualität zu knüpfen, die wir nicht besitzen, ist für unsere Psyche naheliegend, jedoch ein Trugschluss. Jedes Maß an Disziplin und jeder Erfolg dieser Welt wird uns niemals dauerhaft ein Gefühl von Erfolg und Erfüllung geben. Es gibt keine Errungenschaft, ab der wir in unserem Leben “glücklich” sein können, zufrieden sein werden oder uns ganz “angekommen” fühlen werden, das wird auch jeder (ehrliche) nach unseren gesellschaftlichen Kriterien “erfolgreiche” Mensch bestätigen. Doch was kann es dann bedeuten, “erfolgreich” zu sein?
Glück und Erfolg sind ein Prozess, kein Zustand
Um wirklich erfolgreich, erfüllt und glücklich sein zu können, so glaube ich, müssen mehrere Dinge zusammenkommen. Wir brauchen Ziele, ohne Zweifel, denn sie geben uns eine Richtung, sie definieren unseren Weg und zeichnen uns die nächsten Schritte vor, damit wir nicht orientierungslos durchs Leben irren.
Diese Ziele brauchen aber eine gewisse Tiefe, einen Wert, der über rein Materielles oder persönliches Glück hinausgeht - einen Zweck größer als wir selbst. Wir Menschen sind soziale Wesen und bei allen Zielen geht es ja meist auch nicht wirklich um Geld, eine olympische Medaille oder eine andere Sache selbst, sondern auch viel darum, dass wir uns dabei gesehen, vielleicht auch bewundert und akzeptiert fühlen. Diese Tatsache können wir nicht verleugnen, doch vielleicht ist es gewinnbringender, sich nicht nur auf die Bewunderung und das Ansehen durch andere zu konzentrieren, sondern in dem Sinne nach einem “höheren” Zweck zu streben, indem wir uns für das Wohl anderer bemühen. Nicht, indem wir uns selbst ganz außer Acht lassen oder vernachlässigen, aber indem wir unsere persönlichen Qualitäten und Fähigkeiten so einsetzen, dass wir anderen Gutes tun können.
Das ist, wie ich oben schon bemerkt habe, ein Prozess und kein Zustand. Es ist ein längerfristiges, nie wirklich abgeschlossenes, aber eben auf der anderen Seite doch erfüllendes Unterfangen. Wir können dabei ebenfalls ambitioniert sein, uns Ziele setzen und diese mit Disziplin und “harter Arbeit” verfolgen - doch wir tun dies nicht für Anerkennung und Aufmerksamkeit, sondern für ein übergeordnetes, bedeutsames Ziel. Gleichzeitig ist - bei einer solchen Zielsetzung - klar, dass wir das “Endziel” nie wirklich ganz erreichen können, was uns die Möglichkeit gibt, die Tätigkeit an sich als erfüllend zu erleben. Sich zu quälen, um irgendein oberflächliches Ziel zu erreichen, kurzfristig große Entbehrungen in Kauf zu nehmen, im Glauben, dass wir uns dann “gesehen” und “genug” fühlen, hat keinen Zweck und wird auch niemals den “Erfolg” bringen, den wir uns oberflächlich davon versprechen. Doch wenn wir ein Ziel finden, das uns begeistert und erfüllt und bei dem wir unsere Fähigkeiten bestmöglich nutzen können, dann wird auch die “harte Arbeit” weniger ein “Muss” und mehr ein “Darf”. Und gleichzeitig verstehen wir auch, dass es uns kurzfristig nichts bringt, unrealistisch hohe Erwartungen an unsere Willenskraft oder Disziplin zu haben, weil der Weg deshalb nicht kürzer wird. Natürlich dürfen wir ambitionierte Ziele haben, aber wir dürfen dennoch auf diesem Weg in unserem Tempo gehen.
Ich hoffe, dass meine Gedanken in dir einen Reflexionsprozess angestoßen haben und würde mich freuen, deine Meinung dazu zu hören. Ansonsten hoffe ich, dass du deinen Prozess zu genießen lernst und dich selbst dabei nie verlierst! Alles Gute und bis bald!